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Büchners letzter Sommer
Ried-Roman von Ralf Schwob

2011: 10 Jahre Faktotum WER WEITER DENKT, KAUFT NÄHER EIN.

Unsere Edition mit regionalen Büchern im eigenen Verlag präsentiert:

 

ab sofort lieferbar

“Büchners letzter Sommer”

Ein Ried-Roman von Ralf Schwob

ISBN 978-3-930148-48-6,  12,80 Eur

Der Roman handelt von einer Serie merkwürdiger Sachbeschädigungen im südhessischen Ried, die auf hintergründige Weise mit der jüngeren deutschen Geschichte verknüpft sind. Kühkopf-Knoblochsaue, das Goddelauer Freibad und der Leeheimer Riedsee sind nur einige der vielen Handlungsorte im Ried.

Darmstädter Echo:

19. November 2011  | Von Johannes Breckner
Heimat der Gelassenheit

Porträt: „Büchners letzter Sommer“: Der Riedstädter Autor Ralf Schwob und seine besondere Spielart der Regionalliteratur
RIEDSTADT.
Das Buch

Ralf Schwob: „Büchners letzter Sommer. Ein Ried-Roman.“ Ariel-Verlag in Riedstadt, 140 Seiten, 12,80 Euro.


Bis man bei Ralf Schwob angelangt ist, hat man die meisten Schauplätze seines neuen Romans schon gesehen. Den Kreisverkehr zum Beispiel, an dem der Weg wahlweise nach Goddelau führt oder nach Wolfskehlen. Drei mächtige Steinblöcke stehen in der Mitte, und in „Büchners letzter Sommer“ werden sie das Ziel eines Anschlags mit dem Farbeimer. Sie leuchten rot, und in roter Schrift liest man auch den Satz „Wenn in unserer Zeit etwas helfen soll, so ist es Gewalt.“
Büchner hat ihn geschrieben, und die Büchner-AG des Gernsheimer Gymnasiums wird zunächst verantwortlich gemacht für die Serie von Farb-Attentaten, die sich während der Sommerferien in Riedstadt ereignen. Erst ist das Goddelauer Schwimmbadwasser rot eingefärbt, später trägt auch Nepomuk rot, die Steinfigur an der Erfelder Altrheinbrücke.

Ralf Schwob erzählt die Geschichte mit Witz und mit großer Sympathie für diese Landschaft und die Menschen, die in ihr leben. Sein jüngster Roman ist eine Hommage an das Ried, an diese flache, unaufdringliche, ganz und gar unspektakuläre Gegend, in der eine besondere Form der Gelassenheit zuhause ist. Der 1966 geborene Autor ist Teil dieser Gemeinschaft. Groß-Gerau, Crumstadt, Leeheim heißen seine Lebensstationen, und wenn demnächst wieder einmal ein Umzug ansteht, heißt das Ziel erneut Groß-Gerau. Und auch die beiden großen Dichter, die man mit dem Ried verbindet, durchziehen seinen Roman – Elisabeth Langgässer mit den intensiven Landschaftserlebnissen an Altrhein und Knoblochsaue, Georg Büchner, den man als berühmten Sohn der Gemeinde gerne zitiert, ohne jedoch den revolutionären Geist seines Werkes wirklich ernstzunehmen.
Der Deutschlehrer Ulrich Ruhland erzählt davon gerne in der Büchner-AG. Er ist das, was man einen engagierten Pädagogen nennt, aufgeschlossen und kumpelhaft, ganz anders als sein verbissen in sich gekehrter Kollege Arno Friedleben. Die Geschichte dieser beiden Lehrer gibt dem Roman sein Gerüst, und man merkt bald, dass der Autor die Klischees aufbricht und dass die Rollen von Engagement und Duckmäusertum keineswegs so eindeutig verteilt sind, wie es zunächst ausschaut. Das lässt sich auch an den Tonfällen hören. Denn Schwob hat seinen Roman als Mosaik auch wechselnden Perspektiven konstruiert. Er lässt Haupt- und Nebenfiguren erzählen, und so sind es sehr unterschiedliche Sprachen, aus denen die Farbigkeit der Erzählung entsteht. Das funktioniert selbst da, wo Schwob sich auf den Ton der Jugendlichen einlässt. Nichts ist peinlicher als ein Erwachsener, der Jugendsprache nachahmt. Und Schwob war durchaus skeptisch, als er die Passagen bei einer Schullesung vorstellte. Aber die Schüler attestierten ihm eine authentische Wirkung.
Schwob nennt es „inselhaftes Erzählen“, das jeder Figur ihre eigene Sprache gibt. Wenn es gelingt, sagt er, akzeptiert der Leser auch die ungewöhnliche Struktur. Das bewährte sich schon in seinem ersten Roman „Geschlossene Station“, und es war für den Autor die einzige Möglichkeit, sich dem Thema psychiatrischer Erkrankungen zu nähern. Ein schwieriges Thema in schwieriger Sprache – das klingt nicht gerade nach einem Erfolgsrezept. Aber Schwob fand mit Wiesenburg einen kleinen, gleichwohl angesehenen Verlag, und die Nachfrage nach dem Buch ist bis heute so stetig, dass „Geschlossene Station“ bereits in der dritten Auflage vorliegt.

Vielleicht auch deshalb, weil der Autor die Welt genau kennt, über die er schreibt. Über zehn Jahre hat er auf einer geschlossenen Station der Klinik in Goddelau gearbeitet. Aber er wollte noch etwas anderes machen, absolvierte auf dem zweiten Bildungsweg die Abiturprüfung, studierte in Frankfurt Germanistik und Anglistik, arbeitete als Werbetexter und Korrektor. Mit seinen ersten Geschichten gewann er 1997 den Stockstädter Literaturwettbewerb zur Buchmesse im Ried, bei dem er heute in der Jury sitzt. Eine Reihe weiterer Preise kam hinzu, besonders der Literaturförderpreis der Stadt Mainz trug ihm Aufmerksamkeit ein. Und er bewarb sich um die Teilnahme an Kurt Drawerts Textwerkstatt im Darmstädter Literaturhaus: Der kritische Austausch mit anderen Autoren, hat er erfahren, ist der einzige Weg zur literarischen Qualität. Noch heute ist eine Gruppe ehemaliger Textwerkstatt-Teilnehmer das erste Publikum für Schwobs Arbeiten.
Sie entstehen oft früh am Morgen, nachdem die zehnjährige Tochter aus dem Haus gegangen ist und bevor die Buchhandlung öffnet, in der Schwab die Bücher anderer Autoren verkauft und nicht selten auch ein eigenes. Mit seinem nächsten Roman wird Schwob wieder in der Region bleiben. Er spielt in Groß-Gerau und hat die frühen achtziger Jahre als Hintergrund, Ort und Zeit von Schwobs Jugend. Schreiben, weiß er, besteht nicht nur aus dem kreativen Umgang mit der Sprache. „Es ist hilfreich, wenn man schon etwas erlebt hat.“

 

Artikel aus dem Ried-Echo vom 15. März 2011  | kgr
Auf den Spuren von Nina und Leon

Roman: Ralf Schwob liest in Stockstadt aus „Büchners letzter Sommer“ – Elemente eines Krimis und einer Liebesgeschichte
STOCKSTADT.


Eine Serie von Sachbeschädigungen sorgt für Aufregung im Ried: Zwischen Goddelauer Freibad, Erfelder Altrhein und Leeheimer Riedsee färben Unbekannte öffentliche Plätze und Gewässer rot ein und verzieren alles mit Zitaten Georg Büchners. – Das zumindest beschreibt Autor Ralf Schwob in seinem neuen Buch, „Büchners letzter Sommer“, das zur Buchmesse im Ried erschienen ist. Wie spannend Schwobs neuer Roman ist, davon überzeugten sich rund 30 Zuhörer am Samstagnachmittag, als der Autor daraus las.
„Riedroman“ nennt der Autor selbst sein viertes Buch, in dem er immer wieder seine Pro tagonisten zu Wort kommen lässt. Ob das junge Paar Nina und Leon, Studienrat Ulrich Ruland mit Ehefrau Jutta oder Pädagoge Arno Friedleben – immer wieder schlüpft Schwob in neue Rollen und erzählt die Geschehnisse aus unterscheidlichen Blickwinkeln. Die einzelnen Erzählungen lassen sich schließlich zu einer Geschichte zusammensetzen.

Die Hauptpersonen seines Romans seien frei erfunden, gibt Schwob zu. Lediglich einige Nebenfiguren, unter ihnen Bürgermeister Hendrik Klammer, sowie andere Personen des öffentlichen Lebens wiesen Parallelen zu realen Personen auf und könnten wiedererkannt werden, erzählt Schwob. Typisch für seinen Roman sind vor allem die exakten Beschreibungen der Landschaften und Orte im Ried. So konnten die Zuhörer der Lesung die Wege der Romanfiguren genau mitverfolgen und beispielsweise Nina und Leon bei ihrer Radtour begleiten: auf dem Schotterweg von den Geflügelzüchtern in Leeheim an den Streuobstwiesen mit einem Bienenschwarm entlang, unter schattigen Bäumen hindurch, vorbei am Campingplatz bis zu den Kassenhäuschen am Riedsee. Auch die Schwedensäule, Kühkopf und Knoblochsaue oder das Goddelauer Freibad sind einige der vielen Handlungsorte im Ried, die der Autor in seinem Buch beschreibt. Der Roman sei schließlich der Versuch, „genau und kenntnisreich zu schreiben und möglichst viele Orte wiederzugeben“, meint Schwob, der aus Groß-Gerau kommt, derzeit in Leeheim wohnt und so mit den Lokalitäten gut vertraut ist.
Der Roman verbindet aber nicht nur Elemente eines Krimis mit denen einer jugendlichen Liebesgeschichte. Ab und zu lässt der Autor seine Helden auch tief greifende Fragen und Gedanken aufwerfen, die den Zuhörer zum Nachdenken anregen. So fragt ein Romanheld: „Was macht der Mond die Nacht so hell?“, bevor er darüber nachdenkt, ob Eichenprozessionsspinner Monster aus amerikanischen Filmen sind. „Was interessiert heute?“, fragt Lehrer Friedleben ernüchtert, als er am Auenwald am Altrhein die Ruhe genießt und nachdenkt. Stu dienrat Ruland regt sich schließlich über die „Leisetreterei“ auf, mit der viele Menschen versuchen, bloß „nirgendwo anzuecken“.
Selbst als Schwob am Ende seiner Lesung erklärt, dass Ninas Bruder, der siebzehnjährige Riedstädter Malte, überführt wird und ein umfassendes Geständnis ablegt, bleibt die Spannung erhalten. Denn der Autor verrät auch: „Die Sachbeschädigungen im Ried hören nicht auf.“ Und damit ist auch der Roman mit der Überführung Maltes längst nicht zu Ende.
 
 

Artikel aus dem Ried-Echo vom 22.01.2011:

Ein Krimi ohne Verbrechen

Lesung: Ralf Schwob überzeugt die Zuhörer von seinen sprachlichen und erzählerischen Fähigkeiten
WOLFSKEHLEN.


Am Vormittag arbeitet er als Buchhändler, danach schreibt er selber. Ralf Schwob, geboren in Groß- Gerau und aufgewachsen im Ried, findet zwar deutschlandweit Beachtung, hat aber seine literarische Heimat in den Auen und Wäldern am Rhein. Davon konnten sich die Besucher seiner Lesung am Donnerstagabend in der Buchhandlung Faktotum überzeugen.

Gastgeber Oliver Bopp wies auf das zehnjährige Bestehen der Buchhandlung hin und versprach die Tradition der Lesungen wieder aufleben zu lassen.

Und Ralf Schwob führte die Zuhörer durch die Stationen seiner literarischen Entwicklung. Bei seiner Erzählung „Septemberlicht“ aus dem Band „Tage wie Nächte“ ist die Landschaft am Rhein präsent, aber noch unbenannt. Erst als er dafür den Literatur-Förderpreis Hamburg erhielt, wurde er durch die Frage „Wie sieht das denn aus?“ dazu gebracht, seine Erzählungen zu regionalisieren.

In der Erzählung „Der stillste Tag im Jahr“ werden Safaripark und Märchen-Wunderland zu Requisiten. Er lässt damit die Region zur Zeit der Siebzigerjahre wieder erstehen, seiner eigenen Kindheit und Jugend.

Und sein neuestes, noch unveröffentlichtes Werk „Büchners letzter Sommer“ bezeichnet er als Riedroman, in dem aktuelle Personen des öffentlichen Lebens als Nebenfiguren auftreten und in dem das Goddelauer Freibad und andere regionale Plätze eine wichtige Rolle spielen.

Die Landschaften, oft fotografisch genau beschrieben, gehören zu Schlüsselelementen in Ralf Schwobs Erzählungen. Diese Landschaften gehen dabei immer eine Verbindung mit der Seele seiner Protagonisten ein.

Bei den drei Leseproben des Abends waren es vor allem die Menschen, deren seelisches Erleben von dem Autor untersucht wurde, der oft als Ich-Erzähler hautnah in die Rolle seiner Personen schlüpft. In Septemberlicht ist es eine Frau, deren Lebenspartner bei einem Sprung in den Fluss schwer verletzt wird. Die Auseinandersetzung mit dem Verlust der unbeschwerten Vergangenheit und mit eigener Schuld lässt Schwob in detaillierten Beschreibungen der Umgebung spiegeln.

Bei der Erzählung „Der stillste Tag im Jahr“ beobachtet ein zwölf Jahre alter Junge den Weg seiner Mutter in eine tiefe Depression. Die Krankheit aus der Sicht eines Kindes beschrieben, das genau beobachtet, aber nicht versteht, erzeugt eine besondere Dramatik und Spannung. Schwobel konnte dabei nicht nur seine Fähigkeit zur sprachlichen Umsetzung von innerem und äußerem Geschehen nutzen, sondern auch seine zehnjährige Erfahrung als Krankenpfleger im Philippshospital in Riedstadt.

Erst nach dieser Tätigkeit hat er Germanistik studiert und mit dem Mastertitel abgeschlossen.

Das jüngste Werk schließlich, auf das die Fans des Autors schon sehnlichst warten, wird voraussichtlich zur Stockstädter Buchmesse im März erscheinen. Es ist ein Krimi ohne Kapitalverbrechen und ohne Ermittler. Merkwürdige Sachbeschädigungen im Ried mit Büchnerzitaten auf öffentlichen Plätzen, Farbe im Schwimmbad und zwei verfeindeten Lehrern und deren Schülern bilden die Rahmenhandlung.

„Menschen tragen verrätselt die Geschichte in sich“, erklärt er zu einer seiner Erzählungen. Und dieser Anspruch zieht sich wie ein roter Faden durch sein Werk und macht die Geschichten spannend und interessant.

von Lotte Schüler
 

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